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50 Jahre Stadtbibliothek Dommitzsch - Ein Rückblick
Die Stadtbibliothek Dommitzsch feierte in diesem Jahr ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Ein Grund im Rahmen einer kleinen Feierstunde Rückschau zu halten. 1961 wurde aus der ehrenamtlichen Bibliothek eine sogenannte Muster-Zentralbibliothek.
Durch neue Strukturen sollte in den 60er Jahren der DDR die Weiterentwicklung der ländlichen Bibliotheksarbeit begünstigt werden. Aus diesem Grund wurden sogenannte "Musterbibliotheken" errichtet. "Für den damaligen Bezirk Leipzig ergaben sich für den Aufbau einer Muster-Zentralbibliothek die günstigsten Voraussetzungen in Dommitzsch, wobei die Größe des Ortes, seine zentrale Funktion für die umliegenden Gemeinden und der Sitz der zehnklassigen polytechnischen Oberschule für die Wahl des Standortes ausschlaggebend waren" - so gelesen in der Fachzeitschrift "Der Bibliothekar von 1961"
Neben ihrer Funktion als Ausleihbibliothek in Dommitzsch war sie gleichzeitig Mittelpunkt der Bibliotheksarbeit für den Gemeindeverband
Im Gründungsjahr betrug der Buchbestand für den gesamten Bereich 4400 Bände
Die Zentralbibliothek umfasste die Stadt Dommitzsch mit 3300 Einwohnern und fünf Gemeinden mit 2700 Einwohnern. Für damalige Verhältnisse befand sie sich in zentraler Lage in der Leipziger Straße und war von ihrer Fläche - 81 m² und ihrer Ausstattung relativ modern.
Als Bibliotheksmitarbeiterinnen bzw. Leiterinnen werden in den Anfangsjahren genannt: Erika Specht, Elfriede Schumann und Steffi Kugler.
Seit 1963 bewahrte Anni Kühne aus Torgau die Übersicht über die Bücherschätze und 1969 kam mit Helga Seifert die zweite längjährige Mitarbeiterin, die beide in fast 20 Jahren vor allem älteren Bücherfreunden noch bestens in Erinnerung sein dürften. 1983 löste Dagmar Lehmann Frau Kühne ab und blieb bis 1987.
Durchschnittlich befanden sich sieben bis acht Gemeindebibliotheken in ihrem Einzugsbereich (Trossin, Dahlenberg, Falkenberg, Roitzsch, Wörblitz, Elsnig, Vogelgesang, Drebligar und zeitweise auch Neiden, Mockritz und Döbern).
Von Beginn an gab es eine enge Zusammenarbeit mit der Schule. Die Bestände der Schulbibliothek wurden bereits 1962 in den Bestand der Zentralbibliothek integriert.
Auch zählte die Zentralbibliothek Dommitzsch zu den 12 hauptamtlich geleiteten staatlichen Allgemeinbibliotheken der DDR, die sich im Zeitraum von 1979 bis 1981 an einer international-vergleichenden Untersuchung zur "Dynamik des Lesens" beteiligten.
Seit ihrer Gründung hat sich die damalige Zentralbibliothek kontinuierlich zu einem Kultur- und Informationszentrum für die Stadt und die umliegenden Gemeinden entwickelt. Neben einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit, die nicht zuletzt auch auf das persönliche Engagement der Bibliotheksmitarbeiter zurückzuführen war, hat sie stets enge Kontakte mit anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen, Betrieben und Arbeitsgemeinschaften gepflegt. Bekannte Autoren der damaligen Zeit waren regelmäßig zu Gast. Hier nur einige Beispiele: Ilse Korn, Götz R. Richter, Erwin Bekier, Hans Pfeiffer, Renate Holland-Moritz, Erich Gürtzig, Siegfried Schumacher, Rudi Benzien, Jan Flieger, Wolf Spillner u.s.w.
Im Laufe ihrer Entwicklung hat die Bibliothek Dommitzsch einen hohen Leistungsstand erreicht. Die Zahl der Benutzer entwickelte sich von 604 Lesern im Jahr 1961 auf 989 Leser im Jahr 1989, die Entleihungen stiegen von 10165 im Jahr 1961 auf 28 816 im Jahr 1989, ebenso stiegen die Benutzer und Entleihungen der Gemeindebibliotheken.
Die im Zuge des Einigungsprozesses beginnenden Veränderungen im kultur- und bildungspolitischen Leben der ehemaligen DDR stellten alle Bibliotheken vor neue, schwierige Aufgaben. Wie überall wurden die Veränderungen nach der Wende auch in unserer Bibliothek sichtbar. Der Gemeindeverband in seiner bisherigen Struktur zerfiel. Einige Gemeinden konnten die Unterbringung, Unterhaltung und finanzielle Absicherung ihrer Gemeindebibliotheken nicht mehr gewährleisten. Hinzu kam die Neuorientierung im Schul- und Bildungswesen. Mit der Verabschiedung des Schulgesetztes für den Freistaat Sachsen vom 3. Juli 1991 wurde der Grundstein zur Neuordnung des Bildungswesens in Sachsen gelegt. Neue Lehrinhalte und veränderte Vermittlungsformen erforderten für die bisherige Zusammenarbeit zwischen Schule und Bibliothek eine neue Qualität.
Es galt, ein neues Bibliothekskonzept zu erarbeiten, um die Weichen für die Zukunft zu stellen und es hieß, Abschied nehmen von der Arbeit einer Zentralbibliothek.
Von 1992 bis 1995 wurde die Bibliothek als Modellprojekt zur Schaffung einer kombinierten Öffentlichen- und Schulbibliothek des Regierungsbezirkes Leipzig mit Mitteln aus dem Bundesinfrastrukturprogramm gefördert. Seit 1996 wird sie mit Mitteln aus dem Kulturraum und innerhalb der Projektarbeit vom Arbeitsamt bzw. der ARGE gefördert.
Neu ausgestattet und seit 1995 mit EDV ausgerüstet, entsprach sie nun den neuen Anforderungen. Durch die Teilnahme am EU-Projekt LAMBDA Mitte der neunziger Jahre war die Bibliothek Dommitzsch schon frühzeitig weltweit vernetzt.
Es gab immer vielfältige Zusammenarbeiten mit den verschiedensten Einrichtungen, die Volkshochschule hielt Kurse in den Räumen ab, es fanden Kinovorstellungen mit dem KAP Torgau statt. Selbst als es in Dommitzsch ein Asylbewerberheim gab, kamen die Kinder immer donnerstags zum Bibliotheksbesuch.
Natürlich stand und steht die Vorhaltung neuer Medien immer im Mittelpunkt. Gab es in den Anfangsjahren nur Bücher, später kamen Schallplatten und MCs hinzu, so stehen dem Nutzer heute auch moderne Medien, wie z.B. Audiobooks, DVDs, Computer- und neuerdings sogar Konsolenspiele zur Verfügung.
Derzeit verfügt die Bibliothek über 12000 Medien und kann bei 540 Lesern auf durchschnittlich 30.000 Entleihungen verweisen. Die Gesamtzahl der Besucher liegt bei 7000.
Ein weiterer Schwerpunkt war und ist die soziale Bibliotheksarbeit, Veranstaltungen im Seniorenbereich, Hole- und Bringedienste für ältere Leser, Internetkurse für Senioren u.a.m. zeugen davon.
Bei aller Modernität gerieten aber die originären Aufgaben einer Stadtbibliothek nie ins Hintertreffen. Die Zusammenarbeit mit den Schulen und den Kitas der Region sind nur ein Beispiel. Leseförderung steht immer an erster Stelle. Davon zeugen auch die vielen Projekte der letzten Jahre; z.B. "Ich bin Bib(liotheks)fit - Der Lese-Kompass für die 1. und 2. Grundschulklasse, Veranstaltungen rund um "Deutschland liest-Treffpunkt Bibliothek" u.v.m.
Aktuell ist die die Zusammenarbeit mit den Bibliotheken des "Städtebundes Dübener Heide", die regelmäßig den länderübergreifenden Lesewettbewerb "Die Heide liest" - sozusagen ein Lesefest über Ländergrenzen hinweg organisieren.
Und auch für die Zukunft gibt es schon viele neue Ideen.
Überhaupt ist die Bibliothek eine Institution in Dommitzsch. Irgendwann kommt jeder einmal mit ihr in Berührung…
Martina Linke
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